{"id":134,"date":"2022-03-09T20:31:44","date_gmt":"2022-03-09T19:31:44","guid":{"rendered":"https:\/\/mepublic.ch\/?p=134"},"modified":"2022-03-09T20:31:44","modified_gmt":"2022-03-09T19:31:44","slug":"jvari-pass","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/mepublic.ch\/?p=134","title":{"rendered":"Jvari Pass"},"content":{"rendered":"\n<p>Eigentlich wollen wir nach Gudauri, um Ski zu fahren, als uns die Lastwagenkolone \u00fcberrascht. Sie steht still und verliert sich zum fingerbreiten Strich reduziert hinter der n\u00e4chsten Bergflanke.  <\/p>\n\n\n\n<p>Sattelschlepper und Muldenkipper reihen sich Kopf an Heck und warten zum Strassengraben geneigt, bis es weitergeht. In der Luft liegt der Geruch eines Holzfeuers. Es glimmt alleine und stumm, denn die Fahrer verharren in ihren Kabinen bei Thermoskaffee und Zigarette und warten.  Es sind Georgier, Armenier, T\u00fcrken, Russen und Azerbaijaner, die ihre Fracht \u00fcber den Javri Pass bringen wollen. Sie warten bis der Schwerverkehr nach Norden freigegeben wird.  <\/p>\n\n\n\n<p>Der Weg \u00fcber den Pass verbindet zwei Jahrtausende: Strabon und Plinius der \u00c4ltere erw\u00e4hnen die Route, die einem Gaul knapp gen\u00fcgend Platz bot, um seine Last \u00fcber den Berg zu schleppen, bis 1783 auf Veranlassung Potempkins 800 Soldaten sie zu einer Strasse pickelten, schaufelten und befestigten und fortan auch ein Ochsengespann den Pass erreichte, oder eine Armee &#8211; daher ihr Name Heeresstrasse.  <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"522\" src=\"https:\/\/mepublic.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/lastwagen_jvari-1024x522.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-145\" srcset=\"https:\/\/mepublic.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/lastwagen_jvari-1024x522.jpg 1024w, https:\/\/mepublic.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/lastwagen_jvari-300x153.jpg 300w, https:\/\/mepublic.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/lastwagen_jvari-768x392.jpg 768w, https:\/\/mepublic.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/lastwagen_jvari-1536x783.jpg 1536w, https:\/\/mepublic.ch\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/lastwagen_jvari-2048x1045.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption>Lastwagenkolone nach Norden (auf unserem R\u00fcckweg aufgenommen)<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Inzwischen m\u00fchen sich j\u00e4hrlich rund  140&#8217;000 Laster zum 2395m hohen Javri Pass ab und verfrachten innert 15 Monaten eine G\u00fctermenge so schwer wie die Cheopspyramide.      <\/p>\n\n\n\n<p>Bei Sepe (19km und 600 H\u00f6henmeter vor unserem Ziel) erwacht die schlummernde Kolonie. Im Dieselrauch der kalten Motoren wippen sich vor uns die Laster zur\u00fcck auf die Strasse, wie eine Herde Walrosse. Wir reihen uns ein, \u00fcberholen, warten, reihen uns ein,  Kurve um Kurve.  <br><br>Wir fahren an einem Laster vorbei, dessen Fahrerkabine nach vorne gekippt ist. Der Fahrer ist \u00fcber den Motor gebeugt und versucht mit in Lumpen gewickelten H\u00e4nden die \u00fcberhitzte Maschine zum Laufen zu bringen. <br><br>Kurz vor unserem Ziel \u00fcberholen wir einen Muldenkipper; der Fahrer, um die dreissig, wirkt ersch\u00f6pft und hochkonzentriert. Ihm und seinem Kipper  bleiben noch 7 km bis zum Jvari Pass  bevor er auf der anderen Flanke die 1200m runterbremst zur 37km entfernten georgischen Grenze.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Drei Tage sp\u00e4ter greift Putin die Ukraine an.<\/em>  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich wollen wir nach Gudauri, um Ski zu fahren, als uns die Lastwagenkolone \u00fcberrascht. 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