Die Reviews hatten ein paar Details verschwiegen. In Tbilisi kommt man einfacher zu einer neuen Telefonnummer als zu einem Hallenbad-Eintritt. Das mag daran liegen, dass man SIM-Karten an jeder Ecke bekommt, es aber nur zwei 50m Hallenbäder gibt.
Der Temperatur-Scanner im Eingang sieht aus wie eine MRI Röhre für Hände. Als ich die Hand reinstecke, pulsieren die LEDs blau und ein Piepston ertönt. Der Herr am Schalter blickt auf. “Ich hätte gerne einen Einzel-Eintritt für das Hallenbad, nur zum Schwimmen”. Er verlangt nach meinem Ausweis. Ich soll kurz die Maske abnehmen. Er schiesst ein Foto und meint: “Jetzt brauchen wir noch einen medizinischen Test”.

Das kommt unerwartet.
Er weist auf die Tür am Ende des rechten Flurs. Ich schlucke und mache mich auf Röntgengeräte und medizinische Apparaturen gefasst, während ich zur Tür baumle. Meine am Morgen eingeredete Motivation für Schwimmen bricht ein. Der Herr an der Kasse scheint das zu bemerken, denn er winkt mir Mut zu und deutet mir an, an der Tür zu klopfen und einzutreten.
Als ich das kleine Büro betrete, finde ich eine ältere Dame vor. Sie sitzt angelehnt auf einen hölzernen Stuhl und studiert Youtube-Videos. Ich habe sie offenbar in ihre Langweile gestört, denn sie erwidert meinen Gruss nicht und weist mich mürrisch und wortlos an, Platz auf der Pritsche zu nehmen. Dann gibt sie Zeichen ich soll den rechten Schuh und die Socke abziehen, und krümmt sich sogleich über den Fuss. Sie inspiziert minutiös jeden meiner Zehen, während sie mit ihrem Bleistift die Wanderung ihres Blickes in der Luft nachzeichnet.
Mir ist Angst und Bange.
Denn ich hatte mich an einem Zeh verletzt, vermutlich eine Blase vom vielen Rumlaufen der ersten Tage. Sie richtet sich auf, nimmt das Formular und schwingt ein grosses “Z” über die ganze obere Blatthälfte des Formulars. Die Frau mit der Maske sagt nein, denke ich und winke mental bereits dem Schwimbecken Adieu und Lebewohl zu.
Zu meiner Überraschung verlangt sie den anderen Fuss zu sehen. Diesmal gibt’s kein Z. Das war’s. Sie schickt mich raus und knurrt dem Kollegen an der Kasse etwas zu. Der tippt etwas
im Computer und sagt: “Macht 60 Lari”.
Darauf war ich gefasst.
Ich reiche ihm erleichtert das Geld. Auch wenn ich mich mit 60 Lari eine Woche lang in meinem Lieblings-Café einen Latte Macchiato hätte gönnen können:
Es ist es jeden Tetri wert.